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Was haben Kunstkritik und Wissenschaftskritik gealtmeinsam?

Der Bremer Soziologe Uwe Schimank setzt in der neuen Soziologischen Revue den Vergleich als "anregende Erkenntnistechnik" ein und geht der Frage nach, was wissenschaftlicher Rezensent und Kunstkritiker gemeinsam haben und was sie unterscheidet.

 

Gemeinsam ist beiden das Bemühen die Aufmerksamkeit des Publikums zu lenken. Beide wollen Bestimmtes empfehlen und von Anderem abraten. Damit scheinen auch schon die Gemeinsamkeiten aufgebraucht. Vor allem unterscheiden sie sich in ihren sehr verschiedenen Rollen. Fallen in der Kunstkritik die Rollen von Kunstproduzent, Publikum und Kritiker in der Regel auseinander, treffen wir im Wissenschaftsbetrieb auf eine Konstellation in der Sender, Empfänger und Kommentator wissenschaftlicher Publikationen zwar durchaus unterschiedliche Personen sein können, die aber in der derselben Rolle miteinander in Verbindung stehen: "In der Wissenschaft (...) werden Publikationen nicht nur vorrangig von Wissenschaftlerinnen gelesen und zuallererst für diese geschrieben - auch Rezensionen schreiben Wissenschaftler."

Anders als im Kunstbetrieb, in dem - überspitzt gesagt - Kunst ohne Kunstkritik gar nicht existieren kann, rangiert der Rezensent im Wissenschaftsbetrieb nur unter "ferner liefen". Das liegt nicht zuletzt daran, dass der "impact" der Publikationsform Rezension gen null tendiert.

Uwe Schimank plädiert dennoch für die Rezension als eigenständige Publikationsform. Für ihn ist ein Rezensent eine Person, die "an der Auseinandersetzung in der Sache interessiert ist, nicht an Geländegewinnen von Netzwerken und Schulen", die "den Duktus der Nachdenklichkeit, nicht den des Auftrumpfens bevorzugt", die "den 'zwanglosen Zwang des besseren Arguments' ausprobiert und auch bereit ist, sich diesem, in allen Ehren, zu beugen, und" die "bei all dem darauf pfeift, wie sich das im eigenen Publikationsverzeichnis dokumentiert." Sie "schreibt Rezensionen, die sich zu lesen lohnen, und die dann auch im Gedächtnis bleiben". - Das ist ein sehr, sehr sympathischer Standpunkt, aber ist er auch realistisch?

Was meinen Sie? Warum lesen Sie Rezensionen? Was erwarten Sie von einer Buchbesprechung?

 
Kommentare (1)
1 Donnerstag, 18. August 2011 um 20:44 Uhr
Thomas Roggenkämper
Da ist Uwe Schimank nur voll und ganz zuzustimmen. Rezensionen sollten ihren eigenen Stellenwert besitzen.

Nicht ganz einverstanden bin ich allerdings mit der Einschätzung, dass Buchbesprechungen vornehmlich von Wissenschaftlern für Wissenschaftler geschrieben werden. Warum sollten Rezensionen nicht auch für eine interessierte Öffentlichkeit als Informationsquelle genutzt werden können? Das setzt natürlich voraus, dass sie nicht ausschließlich für Spezialisten geschrieben werden, sondern sich um eine verständliche Sprache bemühen. Auch für Studenten können Rezensionen Wegweiser in einem unübersichtlichen Feld sein.

Aus Lesersicht wäre es darüber hinaus wirklich wünschenswert, dass es mehr Besprechungen gibt, die sich zu lesen lohnen und die im Gedächtnis bleiben. Auch auf Raumnachrichten gibt es nicht allzu viele davon.

Ein fommer Wunsch scheint es hingegen zu sein, dass Autoren sich so einfach am "zwanglosen Zwang des besseren Arguments" ausprobieren und auf das "publish or perish" pfeifen.

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