Antje Schlottmann: Allerlei Raum: Eine Nachlese zum „Spatial Turn“.

Jörg Döring und Tristan Thielmann (Hg.): Spatial Turn. Das Raumparadigma in den Kultur-und Sozialwissenschaften. Bielefeld 2008. 456 S.

Es ist eine illustre Runde, welche die beiden Medienwissenschaftler in ihrem Band versammeln. Neben einer Reihe von Geographen bieten hier Philologen und Kulturanthropologen, Soziologen und (Medien-)Philosophen sowie Geschichtswissenschaftler Beiträge zu einem heute ebenso gängigen wie unscharfen Begriff. Die durchgehend männliche Form dieser Auflistung ist übrigens kein Gender-Faux-Pas – in der Tat ist nur eine Frau, Guliana BRUNO, mit einem kurzen, wenngleich inspirierenden Beitrag von Seiten der Visual Studies vertreten.

 

Der „Spatial Turn“, so also der erste Eindruck, das große Thema „Raum“ in all seinen Wendungen, geht derzeit (vorrangig männliche) Denker aller kultur- und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen etwas an. Fragwürdig aber, ob alle diese in disziplinäre Diskurse eingebetteten Beiträge vom gleichen Gegenstand sprechen. Wohlweislich formulieren die Herausgeber ihren Anspruch: „Der Band dient ausschließlich dem Ziel zu ermitteln, welche Forschungsagenda aus jeweiliger Fachperspektive mit der ‚räumlichen Wende‘ gemeint ist“ (S. 12).

Wird dieser Anspruch erfüllt? Nun, um diese Frage zu beantworten braucht man das Buch gar nicht weiter zu lesen. Denn genauso wenig, wie von „dem spatial turn“ gesprochen werden kann, wie einführend trefflich kritisiert wird, kann von den Fachperspektiven die Rede sein. Ein Gerhard HARD spricht ebenso wenig für die Humangeographie, wie ein Marcus SCHROER für die Soziologie. So sind die Beiträge zwar diskursiv eingebunden, aber nicht allein in übergeordnete fachspezifische Kontexte. Eine solche Zusammenschau ist notwendig selektiv und divers, allein schon in Hinblick auf das jeweilige Fachverständnis der disziplinär zugeordneten Autoren. Und so müssen sich die Herausgeber nicht grämen, keine repräsentative Auswahl erbracht zu haben (S. 33). Durch die Sammlung ist ein anregendes Buch zu allerlei Raumfragen entstanden, schön editiert und mit einem umfassenden Sach- und Personenregister ausgestattet.

Die Einleitung der beiden Herausgeber fragt programmatisch „Was lesen wir im Raume?“, in Anlehnung an das jüngste große, gleichwohl insbesondere in der Humangeographie nicht unumstrittene Buch des Geschichtswissenschaftlers Karl Schlögel. Die folgende Auseinandersetzung mit den disziplinären Entwicklungen in den (deutschsprachigen) Kultur- und Sozialwissenschaften einerseits (Teil I des Bandes) und der Humangeographie andererseits (Teil II), aber auch den disziplinären Grabenkämpfen im Zeichen der (Wieder) Entdekkung des mal symbolischen, mal materiellen Raumes, ist außerordentlich einsichtsreich und sei allen raumbezogen Denkenden zur Lektüre empfohlen. Nicht nur, weil hier die Bandbreite von Ansätzen, Perspektiven und Begriffen kurz und prägnant abgearbeitet und korreliert wird. Auch die Schwierigkeiten, die etwa die Humangeographie mit der Raumwende anderer Disziplinen hat, wird recht gelungen auf den Punkt gebracht und noch dazu fachgeschichtlich hergeleitet. Und dies von zwei Medienwissenschaftlern; man ist versucht zu bemerken: Oder gerade?

Die Aufsätze sind dann erwartungsgemäß heterogen bezüglich ihrer Ausrichtung, ihrer Tiefe, ihrer (Begriffs-)Schärfe, ihrer Originalität und nicht zuletzt ihres Beitrages zu der Frage, was unter dem Spatial Turn verstanden werden kann und soll. Von Jörg DÜNNEs lesenswerter Auseinandersetzung mit dem Medium Karte bis zu Mike CRANGs tiefgehenden Überlegungen zum Verhältnis von Raum und Zeit finden sich alle möglichen Facetten der Bezugnahme auf Raum und Räumlichkeit. Streckenweise erwächst aber auch der Eindruck, es ginge maßgeblich auch um die Entscheidung und Legitimierung der disziplinären Zuständigkeit für Raumfragen. Die Geographie wird dabei gern als Ur-Raumbeauftragte in Frage gestellt – und paradoxerweise dadurch als solche erst konstruiert.

So sucht Markus SCHROER, die „Relevanz des Raumthemas für die Soziologie aufzuzeigen“ (S. 144). Diese, so SCHROER, tappe nämlich keineswegs geradewegs in die von Geographen aufgezeigte Raumfalle, sondern sei berufen, sich „jenseits von Raumdeterminismus und Raumvoluntarismus mit der sozialen Formierung des Räumlichen und den Rückwirkungen des Räumlichen auf das Soziale zu beschäftigen“ (S. 145). Das von ihm aufgezeigte Programm dieser Beschäftigung fügt allerdings einer handlungszentrierten sozialgeographischen Perspektive wenig hinzu, im Gegenteil. Wenn es um die „Beobachtung der Raumkonstitution und -konstruktionen verschiedenster Akteure“ (S. 136) gehen soll, oder wenn die „Pluralität räumlicher Bezüge in den Blick [zu] nehmen“ sei (S. 131), dann sind dies, wenn auch nicht zitierte, so doch durchaus begrüßenswerte Übereinstimmungen mit der Agenda einer bereits in den 1980er Jahren entworfenen und nunmehr etablierten Sozialgeographie. Neue Impulse ergeben sich daraus aber kaum. Für Matthias MIDDELL hingegen sind traditionell humangeographische Themen wie raumbezogene Identitätsbildung, die handlungsdeterminierende Wirkung von Raumsemantiken sowie die Praxis der Territorialisierung im Zuge der Raumwende als die neuen Forschungsfelder der kulturell gewendeten Geschichtswissenschaften (S. 118-119). Unter dem Titel „der spatial turn und das Interesse an der Globalisierung in der Geschichtswissenschaft“ befasst sich der Autor mit deren Selbstverständnis und Methodenkontroversen. Namentlich drei Wenden werden diagnostiziert und beleuchtet, der cultural und der spatial turn und eine „Wende zur Globalgeschichte“ (S. 103). Die Krise in den Geschichtswissenschaften, kompensiert u.a. durch das „Erschleichen“ (zit. nach Chartier, S. 103) von Ansätzen aus anderen Disziplinen, hätte einen der Ausgangspunkte für diese Entwicklungen geliefert, eine Praxis, die aber – so scheint es – die Geschichtswissenschaften heute letztlich zu der kompetenteren Raumwissenschaft macht (S. 108). Dass MIDDELLs Raumbegrifflichkeit, insbesondere in Bezug auf den bei ihm zentralen Terminus der „Verräumlichung“ dabei recht beliebig bleibt, macht das Nachvollziehen der Forschungsagenda allerdings nicht leicht. Wenn etwa von Verräumlichungsprozessen von Akteuren mit unterschiedlichem Ressourcenzugriff gesprochen wird, dann ist das reichlich abstrakt, und es bleibt unklar, warum deren Aufklärung in Bälde „aus der Feder von Historikern“ zu erwarten sein sollte (S. 116). Ebenso unklar bleibt, ob sich das Interesse einer kulturell gewendeten Geschichtswissenschaft tatsächlich mit einem unkritischen Hinnehmen der Globalisierung, deren Beginn es zu fassen und deren Wirkungen es zu begegnen gilt, vereinbart. Die Globalisierungsforschung, so scheint es hier, muss der Globalisierung folgen, sie richtig und umfassend erkennen und deuten. Die Historiker, glaubt man MIDDELL, sind ganz vorn mit dabei.

Im Zuge seiner Auseinandersetzung mit dem ambivalenten, zwischen Determinismus und Relationalität changierenden Raumbegriff Braudels macht Eric PILTZ in seinem Beitrag zur „Trägheit des Raumes“ demgegenüber nicht zuletzt deutlich, dass die heutige Raumkonjunktur in den Geschichtswissenschaften einen substantiellen „turn“ nicht wirklich erkennen lässt (S. 93). Dies mag auch einer diversen Begriffsverwendung geschuldet sein: „So provoziert die Rede vom Raum, oder die Betonung, dass Geschichte etwas mit Raum zu tun hat, allerorten Zustimmung, ohne dass klar ist, dass die Zustimmung auf verschiedenen Raumbegriffen fußt“ (S. 78). PILTZ entwirft dann einen prinzipiell konstruktivistischen Ansatz, dem es um die historische Rekonstruktion von Raumkonstruktionen geht. Die Materialität des Raumes in irgendeiner Form anzuerkennen, scheint für PILTZ indes grundlegend für die historische Betrachtung. So gilt es dem Autor zufolge „die Strukturierungswirkung bestimmter Räume auf Handlungen und Kommunikationsformen“ zu betrachten (S. 96). Damit meint er nun aber nicht allein die symbolisch-abstrakte Dimension von Containerräumen, sondern auch deren materielle Ausstattung. Die (erneute) Lektüre Braudels mag, so klingt als Fazit an, Inspiration sein, einem relativierten, jedoch nicht gänzlich metaphorischen Raumbegriff für die Geschichtswissenschaft näher zu kommen.

Auch andere Beiträge richten die Aufmerksamkeit stärker auf den Terminus „spatial turn“ und die damit verbundene Raumbegrifflichkeit selbst.

Stephan GÜNZEL versucht eine analytische Begriffsklärung. Er unterscheidet Spatial Turn, Topographical Turn und Topological Turn und sucht die Unterschiede zwischen den Raumparadigmen. Das geschieht durchweg fundiert und informiert sowohl im Hinblick auf philosophische Grundlegungen als auch auf neuer kulturwissenschaftliche und humangeographische Entwicklungen. Der Beitrag zeigt aber auch, wie schwierig die sprachliche Umsetzung analytischer Begriffsbildung ist. Der Raum weigert sich geradezu, sich in eindeutige Fesseln legen zu lassen, ist resistent und subversiv. Das zeigt sich etwa wenn argumentiert wird, dass eine topologische Beschreibung nur Sinn macht (sic!), „wenn es eine räumliche Entsprechung der Struktur gibt, auf welche die Beschreibung zutrifft“ (S. 230). Was kann hier nun mit Raum – im Gegensatz zur Topologie – gemeint sein? Nächstliegend ein materialer, metrischer Raum der Ausdehnung, auf den die zitierten U-Bahnnetze zutreffen, oder eben nicht. Doch schon im folgenden Absatz wird weiter argumentiert, dass die topographische Beschreibung ihrerseits an Grenzen stößt, wenn „jedes materiale Vorkommnis im Raum als gleichwertig behandelt wird“. Und was kann das sein, wenn Raum selbst schon als materielles Vorkommnis gemeint ist? Scheinbar selbstverständlich schleicht sich der Raum hier wieder als Behälterraum ein, ergeben sich Inkonsistenzen und Widersprüche, wenn Topographie, Topologie und Raum nebeneinander diskret abgegrenzt werden sollen.

Manfred FASSLERs „cybernetic localism“ gelingt es da schon konsistenter, Sprache und Theorie in Einklang zu bringen. Das ontologische „Raum ist …“ wird durch die Vielschichtigkeit des Sprachspiels FASSLERs zu einem ebensolchen, Raum zeigt sich in der Abhandlung flüchtig und relational, nicht-natürlich und virtuell. Raum bleibt Gemachtes, funktionaler Entwurf, der auf vielfältige Weise kommunikativ verwirklicht wird. Raum wird interaktiv erzeugt und aufrecht erhalten („Raumphase“) und ist „wegen der Aktions- und Umweltbindung des Menschen, wahrscheinlich“ (S. 208). Eine statistische, nicht essentielle oder geometrische Größe, aber immer informationsintensiv (S. 215). Doch diese perfomative Verwirklichung der fluiden Ontologie des Raumes geschieht nicht ohne Preis. So kreativ und inspirierend FASSLERs Entwürfe zum Raum, seinen Grenzen und Aggregatszuständen sind, so wenig anschlussfähig an herrschende Diskurse sind sie. FASSLER spielt sozusagen in einer eigenen Liga und schert sich wenig um die herrschenden spatial-turn-Diskurse der sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Edward SOJA dagegen setzt die Existenz des spatial turns fraglos voraus und lässt auch keinen Zweifel an seiner Bedeutung, die er in den beiden Bereichen räumliches Kapital und räumliche Gerechtigkeit sieht. Konzeptionell argumentiert er unter Rückgriff auf Lefebvre, Foucault und Heidegger für eine Dialektik des Sozialen und des Räumlichen, wie auch seine drei Raumkonzepte (physischer Raum, mentaler Raum gelebter Raum) sich gegenseitig durchdringen. Der spatial turn ist für ihn sogar der einzig ernstzunehmende Paradigmenwechsel gegenüber der „Klein-turn-Versammlung in der Sekundärliteratur“ (S. 234). Ja sogar eine „viel weiter reichende Rekonfigurierung und Transformation“ (ebd.) stelle der spatial turn dar. Ob damit nun das Denken über oder die Produktion von Raum oder allgemein gesellschaftliche raumbezogene Verfasstheit gemeint ist, lässt er schlicht offen. Wer diesbezüglich Klarheit sucht, wird bei Marc REDEPENNING fündig, der die Möglichkeiten, den spatial turn als Wandel der Aufmerksamkeit oder als Wandel des Gegenstands zu verstehen in klarer Sprache auslotet. Er legt dabei, wie auch Rudolf Stichweh, eine systemtheoretische Perspektive an und plädiert dafür, die epistemologische Blickverschiebung auf den Raum systemtheoretisch zu beobachten, sie also selbst genauer in den Blick zu nehmen, und dabei Raum als (sozialwissenschaftliche) Integrationssemantik zu verstehen. Das wird zweifellos erhellend sein. Dass REDEPENNING allerdings den Arbeiten zum spatial turn grosso modo unterstellt, dass ihnen die Möglichkeit dazu abhanden gekommen sei (S. 335), könnte den Eindruck einer erhabenen sozialgeographischen Super-Beobachterposition vermitteln.

Eine systemtheoretische Perspektive, die ohnehin im Band überproportional vertreten ist, vertritt auch Gerhard HARD. Der aber wäre nicht er selbst, würde er die Rede vom spatial turn nicht zunächst gewohnt scharfsinnig wie -züngig und lustvoll zerpflücken. Dabei gibt er, auch dies kennt man von ihm, zunächst den verwunderten und befremdeten Beobachter des allgemeinen Buheis, um dann seinen – den richtigen, weil vernünftigen – Zugang zu präsentieren. Im Rahmen einer tour de force durch die Disziplingeschichte präsentiert er seinen vehementen Versuch, im „ontologischen Slum“ bzw. der „Rumpelkammer“ aufzuräumen (S. 276), die der spatial turn mit seinen Raumbegrifflichkeiten und -zugängen HARD zufolge darstellt. Martina Löws „Partyraum“ muss ebenso dran glauben wie Karl Schlögels geschichtsvolle Landschaft oder Marcus Schroers absolute Raumontologien und insbesondere Ed Sojas Thirdspace. Sie alle werden des Tatbestands „alter Wein in neuen Schläuchen“ überführt, insofern sie, so HARD, altgeographische Raumkonzepte lediglich mit neuer Terminologie versähen. Hard plädiert dann eindringlich für die ihm einzig fruchtbar erscheinende Theorie: die Systemtheorie, die Raum als Element sozialer Kommunikation konzipiere und dabei auch in der Lage sei, sich zum Gegenstand ihrer selbst zu machen. Entsprechend weist er immer wieder auf die Notwendigkeit der Beobachtung zweiter Ordnung auch und gerade in Bezug auf die von räumelnden Wissenschaftlern erschaffenen Raumabstraktionen hin. Was HARD aber nicht gelingt, ist das (beobachtende) Hinterfragen eines analytischen Wissenschaftsverständnisses. Dies ist sozusagen sein blinder Fleck, so dass sich auch entsprechende, wie auch immer taugliche, Netzwerk oder Performanz inspirierte Versuche seinem kritischen Blick entziehen. So etwa der von Nigel THRIFT zu einer aus der Kommunikation von Walen und dem fernöstlichen Konzept des Qi hergeleiteten neuen „awhereness“ (S. 395).

Dass die Systemtheorie sich konsequent selbst zu beobachten vermag, bezweifelt auch Roland LIPPUNER. Ihn beschäftigt die „Raumfalle“, in die sich auch die angeblich raumlose Systemtheorie begibt, wenn sie zum einen als internes Argumentationsmuster nunmehr raumlose soziale Systeme an-führt und zum anderen Funktionssysteme voneinander unterscheidet (räumlich schachtelt). „Der systemtheoretische Normalbeobachter … ist ein räumelnder (oder raumimplemetierender) Beobachter (S. 361). Dass sich die Systemtheorie bei diesem Räumeln nicht beobachten kann, ist ihr blinder Fleck („Sehfehler“). An dieser Stelle bleibt aber offen, was die Konsequenz dieser „Enthüllung“ sein könnte.

Mit dem „Geo-Code der Medien“ (dem ursprünglichen Tagungstitel) im engeren Sinne befassen sich schließlich die Beiträge von Benno WERLEN und Niels WERBER. WERLEN sieht darin eine problematische Verräumlichung von nicht mehr räumlichen Gegebenheiten. Paradoxerweise, so leitet WERLEN aus drei Phasen der Medienentwicklung her, nämlich: unmittelbare Kommunikation, Medien als Verlängerung des Körpers und mediale Echtzeit (S. 385), seien die Medien selbst Ursache sowohl der räumlichen Entankerung wie der symbolischen Verankerung. Mediale Berichterstattung, so die Argumentation, erzeugt Bilder räumlich homogener Kulturwelten und beraubt sie gleichzeitig ihrer empirischen Basis. Die Entmaterialisierung bildhafter Kommunikation geht mit einer Verdinglichung symbolischer Sachverhalte einher (S. 387).

Konsequenz sei eine neue „fiktive Realität“ (ebd.), was freilich sogleich die – bei WERLEN nur mit Hilfe der Drei-Welten-Ontologie beantwortbare – Frage nach einer irgendwie realeren Realität aufwirft. Sein abschließendes Credo aber, dem man sich schwerlich verschließen kann, ist es, die Erforschung der spätmodernen gesellschaftlichen Raumverhältnisse zum Programm machen, statt selbst Diskurse problematischer Verräumlichung zu reproduzieren (S. 388). Niels WERBER hingegen betrachtet, weniger ontologisch fixiert, Selbstbeschreibungsformeln wie die „Netzwerkgesellschaft“ bezüglich ihrer sozialen und räumlichen Wirkmächtigkeit. Die damit verbundenen Geo-Codes werden so als performativ wirkende Weisen der Plausibilisierung der Räumlichkeit von Gesellschaft sichtbar.

So heterogen die Beiträge auch sind und so wenig hier im Einzelnen auf sie Bezug genommen werden kann – lesenswert sind sie alle und zeigen in der Gesamtheit einmal mehr die Auflösungserscheinungen disziplinärer Kanonisierung. Sie zeigen aber auch, dass ein Begriff wie der „spatial turn“, je mehr man ihn auf den Prüfstein hebt, beleuchtet und kritisiert, desto wirkmächtiger wird. Und so erklärt sich vielleicht auch die einleitend aufgeworfene Frage, warum nun gerade die auch hier eher skeptisch anmutenden Humangeographen „offenbar kein gesteigertes Interesse verspürt [haben], einen solchen Band zu konzipieren“ (S. 33).


Quelle: Berichte zur deutschen Landeskunde, Bd. 85, H. 3, 2011, S. 309–313

 

 

andere Besprechungen zum Buch von Döring/Thielmann lesen Sie hier:

 

http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=11764

http://ffw.denkraeume-ev.de/2-08/kuchenbuch-luks-schlimm/index.html

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=14407

 

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