Klaus Wolf, Elke Tharun (Hg.): Auf dem Weg zu einer neuen regionalen Organisation? Vorträge eines Symposiums in Frankfurt am Main am 20.11.1998. Frankfurt/M. 1999 (Rhein-Mainische Forschungen 116). 117 S.

Regionale Kooperationen avancieren zu einem zentralen Thema der Raumentwicklung in Deutschland. Besonders in Metropolregionen und bei Stadt-Umland- Beziehungen in Großstadtregionen, zunehmend auch in ländlichen Regionen spielen gebietskörperschaftenübergreifende Formen der Zusammenarbeit eine wachsende Rolle, um von lokal nicht mehr lösbaren Problemen oder kirchturmspolitischen Insellösungen hin zu regional angemessenen Zukunftsformen zu gelangen. Die meisten dieser Ansätze streben nach übergemeindlicher Zusammenarbeit, um eine Regionalentwicklung zu ermöglichen, die den Ansprüchen europäischen und globalen Wettbewerbs und nachhaltiger Raumplanung gerechter wird. Dabei geht es von organisatorischen und planerischen Aspekten der künftigen Regionalentwicklung bis hin zu konkreten Handlungsfeldern und Projekten. Bei manchen neuen Kooperationen spielen aber auch modische Überlegungen und das Schielen nach Brüsseler oder Berliner Fördertöpfen eine wichtige Rolle.

Das hier anzuzeigende Heft greift die Probleme regionaler Kooperationen unter dem Stichwort "neue regionale Organisation" auf und gibt die vier Vorträge des Frankfurter Herbstsymposiums 1998 wieder. Zwei Beiträge befassen sich mit den Problemen "harter" institutioneller Lösungen der Regionsbildung in Großstadtregionen, die anderen beiden Beiträge mit den "weichen" Formen freiwilliger regionaler Zusammenarbeit.

Priebs berichtet über die derzeit stattfindende Bildung der Region Hannover, die sich als neue Gebietskörperschaft aus Stadt und Landkreis Hannover konstituieren wird. Hannover ist damit in der derzeitigen Diskussion um die Regionsbildung bzw. Auflösung von Planungsverbänden (z.B. Frankfurt/Main) ein wichtiges Beispiel für die Realisierung einer regionalen Lösung mit weitgehenden Änderungen der Trägerschaft kommunaler Aufgaben, ohne daß die Selbstverwaltung auf unterster gemeindlicher Ebene beschnitten wird. Priebs begründet die erfolgreiche Realisierung des Reformmodells Hannover vor dem Hintergrund der langjährigen positiven Kooperationserfahrungen zwischen Bezirksregierung, Landkreis, Stadt und Kommunalverband. Priebs legt überzeugend dar, wie notwendig die regionale Planungs- und Handlungsebene eingerichtet werden muß und wie wichtig es ist, die institutionelle Lösung den jeweiligen regionalen Rahmenbedingungen anzupassen. Da jedoch die Bezirksregierung trotz Abgabe einiger Aufgaben im Raum Hannover bestehen bleibt, kann von einer echten Regionalkreis-Lösung nicht gesprochen werden.

Im Bereich der Region Stuttgart ist man einen anderen institutionellen Weg gegangen. Steinacher zeigt, wie der bereits seit einigen Jahren institutionalisierte Verband Region Stuttgart die aktuellen Herausforderungen in Verkehr und Wirtschaftsförderung im regionalen Management zu bewältigen versucht. Steinacher nennt wesentliche Aktivitätsfelder des Verbandes, vermeidet aber eine Beurteilung der problematischen Konfliktpunkte der Verbandslösung wie Bürgernähe, innerregionaler Ansiedlungswettbewerb oder kommunale Planungshoheit. Hier nur auf die Wettbewerbsfähigkeit nach außen und die Kooperation innerhalb der Region zu setzen, schimmert als Schwäche des Ansatzes deutlich hervor und blendet einen Teil der regionalplanerischen Notwendigkeiten aus. Erfolge hat die Verbandslösung insbesondere in der Freiraumplanung und Siedlungsentwicklung durch die Durchsetzung von Grünzügen und Grünzäsuren.

Während Hannover und Stuttgart somit konkrete Aufgaben mit "harten" Formen der Zusammenarbeit angehen, befassen sich die beiden anderen Beiträge des Heftes mit eher "weichen" Formen der Zusammenarbeit, zum einen mit den Erfahrungen aus dem Ex-WoSt-Forschungsfeld "Städtenetze" (Melzer/Wittekind) und zum anderen mit Beispielen von Kooperationen und Städteverbünden im Südosten Deutschlands (Jurczek). Beiden Berichten bleibt das Problem freiwilliger Zusammenschlüsse eigen: So interessant Projektkooperationen im Einzelfall sein können, so wenig taugen sie bei der Lösung von innerregionalen Konflikten und als gesamtregionaler Ansatz. Deshalb ist ihr Beitrag zu einer umfassend verstandenen regionalen Nachhaltigkeit als eher gering oder häufig nur partikular anzusehen.

Der Band zeigt mit seinen Beiträgen aus Praxis und Wissenschaft die derzeitigen Entwicklungslinien der Diskussion um neue regionale Organisationsformen auf und ist mit seinen ausgewählten Beispielen und konkreten Aussagen gut geeignet, den Stand der Diskussion zu dokumentieren und mit seinen Forderungen in die aktuelle politische Diskussion einzugreifen. Sehr hilfreich hierbei - und besonders hervorzuheben - ist das rasche Erscheinen des Heftes. Nur so kann der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu einem umsetzungsorientierten Dialog führen.

Autor: Ulf Hahne

Quelle: geographische revue, 1. Jahrgang, 1999, Heft 1, S. 98-99

Kommentar schreiben