Frank Othengrafen und Martin Sondermann (Hg.): Städtische Planungskulturen im Spiegel von Konflikten, Protesten und Initiativen. Planungsrundschau, APlanungsrundschau, Ausgabe 23usgabe 23, 383 Seiten, Berlin.

vorgestellt von Martin Sondermann

Kurztext

In der Stadtentwicklung treffen unterschiedliche Akteure mit ihren Ansprüchen und Sichtweisen, Werten und Idealen aufeinander, was zu Konflikten und Protesten führt oder auch die Entstehung zivilgesellschaftlicher Initiativen fördert. Welche Möglichkeiten hat die Stadtplanung mit diesen umzugehen? Und inwieweit verändern sich städtische Planungskulturen?

Zentrale Inhalte im Überblick

Ausgehend von einem Überblick über Konflikte, Proteste, Initiativen in der Stadtplanung wird Planungskultur als eine theoretische Perspektive entworfen und aufgezeigt, wie räumliches Planen als kulturelles Handeln analysiert und interpretiert werden kann. Welche Normen und Werte liegen planerischem Handeln zu Grunde? Wie manifestieren sich beispielsweise theoretische Ansprüche an eine demokratische Stadtentwicklung in der alltäglichen Praxis des Planens? Und in welchem Verhältnis stehen Zivilgesellschaft und Stadtplanung ganz grundsätzlich zueinander? Diese und weitere Fragen werden in drei rahmengebenden Beiträgen erörtert und dabei städtische Planungskulturen in ihren Elementen und ihre Zusammenhängen in den Kontext zivilgesellschaftlicher Konflikte, Proteste und Initiativen gestellt.

 

Aus historischer Perspektive wird anschließend am Beispiel Deutschlands und Englands nachgezeichnet, inwiefern sich Stadtplanung im Kontext politischer und gesellschaftlicher Transformationsprozesse wandelt, wie Umbrüche stattfanden oder unterblieben und welche Bedeutung Traditionen haben. Welche langfristigen Auswirkungen akute Krisen auf Fragen von Stadtplanung und -gestaltung haben können, wird beispielsweise am Beispiel Spaniens erörtert. Wie sich die Planungsverständnisse und Routinen des Planungshandelns über die Zeit wandeln zeigen zudem Beobachtungen aus Santiago de Chile. Auch ganz aktuelle Themen, wie die Energiewende, werden aufgegriffen und zudem Formen der Raumentwicklung diskutiert, welche auch jenseits klassischer Planungsverständnisse existieren: Hierzu gehören die Stadtentwicklung durch künstlerische Projekte und Pioniernutzungen, Formen der performativen Bürgerbeteiligung oder die Entwicklung ein Kultur der Planung von und mit Jugendlichen.

Diese Fallstudien werden in einem abschließenden Teil grundsätzlich und im Querschnitt betrachtet und dabei vor allem Überlegungen zur demokratischen Dimension räumlichen Planens angestellt: Inwiefern sind Proteste notwendiger Ausdruck lokaler Demokratie? Wie demokratisch ist Stadtplanung? Inwiefern und unter welchen Bedingungen entwickeln sich „demokratische Planungskulturen“?

 

Inhaltsverzeichnis

I Einführung: Konflikte, Proteste, Initiativen und die Kultur der Planung

Frank Othengrafen und Martin Sondermann:
Konflikte, Proteste, Initiativen und die Kultur der Planung – Stadtentwicklung unter demokratischen Vorzeichen?

Meike Levin‐Keitel und Martin Sondermann:
Räumliches Planen als kulturelles Handeln: Planungskultur als analytischer Ansatz

Elke Becker:
Zivilgesellschaft, Protestbewegung und Stadtentwicklung: (k)ein neues Thema?

II Planungskulturen in historischer und gesellschaftlicher Perspektive

Sebastian Haumann:
Protest und Wertewandel: Zur Dynamik von Planungskulturen in den 1970er Jahren

Grischa Bertram:
„A peaceful path“ but no „real reform“? Protest, Zivilgesellschaft und Planung in England

Eva Youkhana und Lara Jüssen:
Soziale Bewegungen in Zeiten der Spanischen Hypothekenkrise: Ursachen und Folgen für Stadtplanung und ‐gestaltung

Corinna Hölzl und Henning Nuissl:
Tragen Planungskonflikte zum Wandel der Planungskultur bei? Beobachtungen aus Santiago de Chile

III Aktuelle Proteste, Konflikte und Initiativen

Linda Fischer:
„Trassenkampf“ ‐ Proteste gegen den Neubau von Höchststromtrassen und Umspannwerken im Zuge der Energiewende

Julia Lossau:
Bäume pflanzen („Tree Planting“): Stadtteilentwicklung durch Kunst im öffentlichen Raum

Christian Peer:
Beteiligungspraxis und lokale Planungskultur: Möglichkeiten und Grenzen der Beteiligung am Beispiel des Stadtentwicklungsgebietes Nordbahnhof Wien

Ulrike Mackrodt:
Cui bono? Die Pioniernutzungen auf dem Tempelhofer Feld in Berlin zwischen Partizipation, Stadtmarketing und Protest

Klaus Habermann‐Nieße und Lisa Nieße:
Jugend macht Stadt: Eine neue Kultur der Planung von und mit Jugendlichen

IV Reflexionen: Demokratie und Planungskultur

Samuel Mössner und Catarina Gomes de Matos:
Urbane Proteste und lokale Demokratie

Sandra Huning:
Überlegungen zum Einfluss von Protestbewegungen auf das „demokratische Potenzial“ von Raumplanung

Frank Othengrafen, Mario Reimer und Martin Sondermann:
Städtische Planungskulturen im Wandel? Konflikte, Proteste, Initiativen und die demokratische Dimension räumlichen Planens

 

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