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aktuelle Informationen zur wissenschaftlichen Geographie und Stadtforschung, raumnachrichten.de bietet Nachrichten und Diskussionen aus Geographie, Umweltwissenschaft, Stadtforschung, Raumplanung und Erdkunde
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Joscha Metzger: Der Weg ist das Ziel. Zum ,Recht auf Stadt‘ durch Selbstverwaltung und radikale Demokratie

Rezension zu Daniel Mullis Recht auf die Stadt. Von Selbstverwaltung und radikaler Demokratie.

Die Forderung nach einem ,Recht auf Stadt‘ stellt sich in den letzten Jahren als übergreifender Bezugspunkt vielfältiger politischer Kämpfe in der ,un­ter­neh­me­rischen Stadt‘ dar und scheint (manchmal mehr, manchmal weniger) in der Lage zu sein, diverse Interessen und Auseinandersetzungen auf einen gemeinsamen politischen Nenner zu bringen (vgl. Mayer 2011, Harvey 2013). So unterschiedlich die Kämpfe gegen die Vernichtung preis­wer­ten Wohnraums, gegen die Privatisierung öffentlicher Räume, gegen Zwangs­räu­mung­en, für die Rechte illegalisierter Menschen, für lokale auto­no­me Zentren oder gegen die Bebauung von Grünflächen auch sein mögen: Gemeinsam ist ihnen zu­meist, dass sie von eher marginalisierten Bewohner_innen gegen die Profit­in­te­res­sen von städtischen Agenturen und Investoren_innen geführt wer­den.
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Gernot Briesewitz: Raum und Nation in der polnischen Westforschung 1918-1948. Wissenschaftsdiskurse, Raumdeutungen und geopolitische Visionen im Kontext der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte. Osnabrück (Einzelveröffentlichung des Deutschen Historischen Instituts Warschau 32) 2014. (zugleich Diss. Leipzig 2012) 526 S.

„Westforschung“ ist einer der am gründlichsten untersuchten Gegenstände der deutschen und europäischen Wissenschaftshistoriographie (Fahlbusch, Haar 2008). Sie lässt sich in ihren in Europa einmaligen radikalen deutschsprachigen Diskurselementen und Sprachmustern auf die Zeit der politischen Romantik und der sogenannten Germanomanen zurückführen (Müller 2010, Jureit 2012, Köster 2003, Meyfeld 2014). Denn der „germanische Volksgeist“ und damit implizit die kulturelle Überlegenheit des Deutschtums sowohl gegenüber slawischen als auch romanischen Völkern (Gesellschaften) spielten seitdem in deutschsprachigen Diskursen eine zentrale Rolle, wenn es darum ging, räumliche und kulturelle Ansprüche auf Nachbargebiete Deutschlands zu reklamieren. Maßgeblich beeinflussten Anfang des 19. Jahrhunderts diese diskursive Praxis neben den Germanomanen der preußische Rechtsgelehrte Savigny sowie Hegel. Savigny vertrat die These, das Rechtssystem jedes Volkes stamme aus seinem ganz eigenen „Volksgeiste“, womit es übernationales Recht geschweige denn die Naturrechte nicht geben könne, während Hegel diesen auf den „germanischen Volksgeist“ bezogen wissen wollte (Meyfeld 2014).

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Wolfgang Aschauer: Theorie und Elend

Anmerkungen zu:
[1] Pascal Goeke, Roland Lippuner, Johannes Wirths (Hg.) 2015: Konstruktion und Kontrolle. Zur Raumordnung sozialer Systeme. Wiesbaden: Springer. 347 S.
[2] Helmut Klüter 2014: Konstruktionen ohne Kontrolle?
[3] Roland Lippuner, Johannes Wirths und Pascal Goeke 2015: Das Anthropozän – eine epistemische Herausforderung für die spätmoderne Sozialgeographie

Eigentlich sollte ich enttäuscht sein. Üblicherweise resultieren Enttäuschungen aus Erwartungen, die sich nicht erfüllen (etwa: zu geringe Gehaltserhöhung, gebrochene Wahlversprechen, schlechter Sex usw.); manchmal treten Enttäuschungen aber auch dann auf, wenn man sich eines Sachverhalts sehr sicher ist, dann aber lernen muss, dass dieser offensichtlich nicht zutrifft. So ging es mir zunächst auch bei der Lektüre des vorliegenden Sammelbandes [1], weil er mir mitzuteilen schien, dass der Kernbestand dessen, was ich an der Systemtheorie Luhmannscher Prägung verstanden zu haben glaubte, unsinnig und unzeitgemäß ist. Es ist auf alle Fälle nicht zu übersehen, dass die Stellungnahme der Herausgeber [3] den (vorläufigen) Endpunkt einer Diskursverschiebung markiert, die für mich so nicht absehbar war.

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Thorsten Steinrücken: Wirtschaftsförderung und Standortpolitik. Eine Einführung in die Ökonomik unternehmensorientierter Wirtschaftspolitik. Norderstedt 2011. 328 S.

Tätigkeiten in der Wirtschaftsförderung, im Standortmarketing und in der Regionalentwicklung stellen für Geographen beliebte Arbeitsmärkte dar. Jedoch sind Lehrbücher zur Wirtschaftsförderung aus (rein) wirtschaftsgeographischer Perspektive in Deutschland Mangelware. Aus diesem Grund soll hier ein ökonomisches Werk vorgestellt werden, das die geographische Perspektive sinnvoll bereichert. Der Autor richtet das Buch an alle, die sich in Theorie und Praxis mit Wirtschaftsförderung und Standortpolitik beschäftigen. Das Ziel des Buches besteht darin, einen strukturierten Überblick über Zielsetzungen und Begründungen für staatlich initiierte Wirtschaftsförderung zu geben. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Folgen und Wirkungen staatlicher Eingriffe. Die theoretische Denkweise ist in der neoklassischen Ökonomie angesiedelt. Das Buch gliedert sich in vier Kapitel.

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Stadtfotografie und Partizipation

Interview mit Martin Kohler, HafenCity Universität Hamburg

 

raumnachrichten.de: Herr Kohler, Sie arbeiten seit Jahren im Bereich Stadtplanung an der HafenCity Universität Hamburg und sind dort Dozent für Stadtfotografie. Können Sie uns beschreiben was das ist: Stadtfotografie? Womit beschäftigt sie sich, welchen Stellenwert nimmt sie in Städtebau und Quartiersplanung ein?

Die Stadtfotografie ist viel weniger eindeutig definiert als bspw. Architekturfotografie. Tatsächlich ist es stilistisch ein hybrides Feld, welches Mittel und Arbeitsweisen aus unterschiedlichen fotografischen Genres nutzt, hauptsächlich aus Architekturfotografie, Streetphotographie und dem Bildjournalismus. Im Mittelpunkt steht die Darstellung einer Stadt oder eines Teils von Stadt als sozial-räumliches System. Also als holistische Einheit aus Menschen und Räumen. Dies beinhaltet das Straßenleben, Rituale und Bedeutungszuschreibungen genauso wie Gebäude, Parks und Straßenräume dazugehören um eine Stadt im Sinne eines Portraits darzustellen.

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Christopher Shaw: The Two Degrees Dangerous Limit for Climate Change: Public Understanding and Decision Making. London, New York 2015. 150 p.

In The Two Degrees Dangerous Limit for Climate Change: Public Understanding and Decision Making, Christopher Shaw explores environmental policymaking by focusing on the public circulation of 2°C as the widely cited maximum figure by which temperatures can be allowed to rise. Derek Wall praises the book for combining natural science and social science to offer a well-researched and provocative interrogation of policy claims made about climate change.

Environmental campaigners have argued that  2°C is the maximum that temperatures should be allowed to rise before climate change becomes catastrophic. In this fascinating and provocative book, The Two Degrees Dangerous Limit for Two DegreesClimate Change: Public Understanding and Decision Making, Christoper Shaw argues that this figure is arbitrary from a scientific point of view and is a product of political expediency.  While we think of climate change as primarily a problem for scientists, Shaw indicates that what we know of the science is powerfully shaped by social, economic and political forces. With an international climate conference currently taking place in Paris between 30 November and 11 December 2015 (COP21), this book is an important account of why we should be sceptical of many of the policy claims made about climate. The two degree limit was constructed as a campaigning tool, but has failed to mobilise action and has tended to reinforce the perception of climate policy as something outside of democratic control and debate.

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Der Arbeitsmarkt verlangt größere Mobilität

Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung legt im November eine Studie über die Entwicklung der Pendeldistanzen in der Bundesrepublik vor.

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Marc Redepenning: Wider die Totalität: Gerhard Hard, wissenschaftliche Selektivität und die unklare Rolle Luhmanns. Gerhard Hard: Die GeographieDie Geographie wiedergelesen

Gerhard Hard 1973: Die Geographie. Eine wissenschaftstheoretische Einführung. Berlin.

Zwei Vorteile des Wiederlesens: Buchanmerkungen und Rezensionen
Ein Buch „wieder“ zu lesen (bzw. ich muss in meinem Fall gestehen, nun auch in Gänze zu lesen und nicht nur flüchtig darin herum zu blättern), das bereits vor 40 Jahren erschienen ist, und das man weder im eigenen Buchbestand hat, noch neu vom Verlag geliefert bekommt, sondern das man sich aus einer Bibliothek ausleihen muss – diese Konstellation hat Vorteile: Man kann auf nicht mehr bestimmbare Dritte zurückgreifen, die bereits mit dem Buch gearbeitet und im Buch ihre Spuren hinterlassen haben. Spuren, als ein Thema, dem sich Gerhard Hard in seinem Œuvre umfangreich gewidmet hat, das aber in seiner Geographie von 1973 noch keine Rolle spielt, sind ja oft unbeabsichtigte Relikte. Sie sollen den Spurenleser zu Abduktionen (also dem kreativen und probierenden Aufstellen von Hypothesen oder Zusammenhängen) animieren. Das kann man sich zunutze machen.

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Heike Egner: Kausalität in Kärnten. Ein Essay über gesellschaftliche Differenzierung, Entwicklungspotenziale und erstaunliche Bildungsblockaden

Summary
This essay takes the opportunity of the authors’ experiences of otherness and ruptures in the expectancy of normality to analyse the primary societal differentiation and the practices of societal causation in Carinthia, inspired by social geographical interest and a system theoretical perspective.

Zusammenfassung
Das Essay nimmt Fremdheitserfahrungen und Normalitätsbrüche der aus beruflichen Gründen nach Kärnten zugereisten Autorin zum Anlass und beobachtet sozialgeographisch interessiert und systemtheoretisch informiert die Form der primären gesellschaftlichen Differenzierung sowie die Praxis der gesellschaftlichen Kausalität in Österreichs südlichstem Bundesland.

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Martin Schneider: Raum – Mensch – Gerechtigkeit, Sozialethische Reflexionen zur Kategorie des Raumes. Paderborn 2012. 726 S.

Das Thema der «Ethik in der Raumplanung» erfährt derzeit eine gewisse Aufwertung. Gleich in mehrere Studiengänge findet es Eingang. Erfreulich, bemerkenswert. So an der Technischen Universität Wien im Lehrgang Raumplanung. Und auch in der Literatur wird die Dimension neu belebt, etwa mit der Frage nach der gerechten Verteilung finanzieller Mittel an unterschiedliche Räume (Ländliche Räume/Metropolitanräume, alte/neue Bundesländer), wie sie von der Hanns Seidel- und der Konrad Adenauer Stiftung aufgeworfen wurde.

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Roland Lippuner, Johannes Wirths und Pascal Goeke: Das Anthropozän - eine epistemische Herausforderung für die spätmoderne Sozialgeographie


1 Konstruktion und Kontrolle von Grenzen
Für unterscheidungsabhängige Beobachter sind Grenzziehungen essenziell. Sie sind zum Beispiel Bedingungen für die Möglichkeit des Denkens und Imaginierens und damit zugleich Bedingungen dafür, die beim Denken und Imaginieren entstehenden Objekte und die korrespondierenden Subjekte zueinander in Beziehung zu setzen oder solche Beziehungen wieder aufzulösen. So betrachtet wirken Grenzen nicht nur begrenzend, sondern auch als Grundlage für kognitive und emotionale Freiheiten. Grenzziehungen eröffnen Spielräume in denen Möglichkeiten erprobt und ergriffen werden können. All dies bedeutet, dass es bei Grenzziehungen um Konstruktionen geht, die kollektiv wie individuell Arbeit erfordern. Bedenkt man zudem, dass jede Grenzveränderung eine Umweltveränderung für andere bedeutet und diese vielen anderen ihrerseits auf Variationsmöglichkeiten und Freiheitsgrade achten, dann ist Grenzarbeit ein unendlicher und offener Prozess, bei dem es immer auch um Versuche der selektiven Passung zu anderen und um Kontrolle geht.

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UNTER DIE GRÖSSTEN ENTDECKUNGEN,

auf die der menschliche
Verstand in den neusten
Zeiten gefallen ist,
gehört meiner Meinung nach
wohl die Kunst,
Bücher zu beurteilen,
ohne sie gelesen zu haben.

Georg Christoph Lichtenberg